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30.06.2014

60 Jahre SVK

Ein Sportverein feiert Geburtstag

(von Franz Meyer) Vom 4. bis zum 6. Juli feiert der Sportverein Grün-Weiß Kollerbeck im Rehbergstadion sein 60-jähriges Vereinsjubiläum. Hierzu sind – im Namen des Vorstandes – alle Mitglieder, Freundinnen und Freunde des Vereins herzlich eingeladen. 

Innerhalb der vergangenen 60 Jahre hat sich der SV Grün-Weiß Kollerbeck (SVK) von einem „reinen“ Fußballclub in einen Breitensportverein mit jetzt sechs Abteilungen entwickelt. Im SVK werden neben Fußball, nach wie vor die „Kernsportart“ des Vereins, Leichtathletik (hier besonders Laufen), Gymnastik und Turnen, Tennis, Tischtennis (mit Kanusport) sowie Radsport angeboten. Im Verein findet damit jeder das zu ihm „passende“ Betätigungsfeld. Mit aktuell mehr als 500 Mitgliedern zählt der SVK nicht nur zu den größten Sportvereinen im Kreis Höxter, er ist – nach der Pfarrgemeinde St. Johann Baptist – auch die „größte Bürgerbewegung“ des Dorfes. 
 
Zum 60-jährigen Jubiläum erscheint eine umfangreiche Festschrift, in der jeder im Einzelnen die Entwicklung des Vereins nachlesen kann. Deshalb sollen im Folgenden nur die wichtigsten Ereignisse und Personen in Erinnerung gerufen werden, die die Geschichte des SV Grün-Weiß Kollerbeck geprägt haben.
 
 
Die Gründung des Vereins im Jahre 1954
 
Die Gründung des SVK Kollerbeck steht in einem engen Zusammenhang mit dem „Wunder von Bern“ vom 4. Juli 1954, als die von Fritz Walter geführte deutsche Nationalelf im Endspiel der Fußball-WM das damals für unschlagbar gehaltene „Wunderteam“ aus Ungarn mit 3:2 besiegen konnte. Wer seinerzeit als Kollerbecker dem „runden Leder“ nachjagen wollte, der spielte bei dem seit 1946 bestehenden Ball-Spiel-Club (BSC) Niese. Hier kickten zeitweilig nicht weniger als 14 Kollerbecker, Langenkämper und Papenhöfener „Jungs“. Zu diesem Kreis zählten unter anderem: Paul Baumeister (Langenkamp), Herbert Beckmann (Papenhöfen), Josef Brakweh, Josef und Rudolf Klocke, Arthur und Willi Krüger, Josef Ridder, Rudolf Schölzel, Franz Stecker und Erwin Wittrock. Die Mehrzahl der genannten Kicker spielte aber nur sporadisch und musste sich häufig mit der ungeliebten Rolle des Reservisten begnügen.
 
Deshalb gab es, inspiriert durch den Gewinn der Weltmeisterschaft, nur eine Alternative: die Gründung eines eigenen Fußballvereins. Dieser Wunsch vieler Kollerbecker wurde am 22. August 1954, nur sieben Wochen nach dem Sieg über Ungarn, Wirklichkeit. Im Gasthof Fuhrmann trafen sich 50 Fußballbegeisterte und gründeten den „Sportverein Grün-Weiß Kollerbeck“. Unter der Leitung von Junglehrer Robert Schlieker wurde eine Satzung verabschiedet und ein erster Vorstand gewählt. Diesen bildeten: Hans Klocke (1. Vorsitzender), Robert Schlieker (2. Vorsitzender), Johannes Klocke (Haus Nr. 1; Geschäftsfüher), Johannes Klocke (Haus Nr. 39; 1. Kassierer), Josef Brakweh (2. Kassierer) und Rudolf Klocke (Technischer Leiter).
 
Für die laut Satzung vorgesehenen „Rasenspiele“ stand der 1930/31 auf dem Rehberg erbaute Sportplatz zur Verfügung. Dass damals aller Anfang schwer war, verdeutlicht der bescheidene Umfang des bei der Gründung vorhandenen Vereinseigentums. Selbiges bestand lediglich aus einem Fußball, einer gesteppten Torwarthose, einem Ersatztrikot und zwei Säcken Sägemehl zum Abstreuen des gemeindeeigenen Sportplatzes. 
Betreut wurden die Kollerbecker Kicker zunächst gemeinsam von den damals gerade 20 bzw. 21 Jahre alten Rudolf Klocke und Josef Brakweh. Die beiden wechselten sich auch als Mannschaftsführer ab und waren für die Aufstellung zuständig. Ein geregeltes Training gab es zunächst nicht. Das änderte sich erst, als im Mai 1956 der ehemalige Bezirksligaspieler Gerhard Eblenkamp als Spielertrainer zur Mannscahft stieß. Den Transport der Fußballer zu den Auswärtsspielen übernahmen in der Anfangszeit Viehhändler Meinolf Köhne, Landwirt Johannes Meyer und Maler Franz Lange, die als eine der wenigen Kollerbecker bereits über ein eigenes Auto verfügten.
 
 
Personelle Kontinuität als Erfolgsgarantie
 
Dass sich der SV Grün-Weiß Kollerbeck aus bescheidenen Anfängen zu einem bedeutenden und lebendigen Mittelpunkt des dörflichen Lebens entwickeln konnte, dürfte fraglos auf die personelle Kontinuität an der Spitze des Vereins zurückzuführen sein. So gab es seit der Gründung im Jahre 1954 nur elf Vorsitzende, seit 1958 nur drei Geschäftsführer und seit 1972 nur drei Kassierer. 
 
Aus der großen Zahl derjenigen Männer und Frauen, die sich seit 1954 mit beispielhaftem Engagement für den SVK eingesetzt haben, müssen an dieser Stelle einige Mitglieder hervorgehoben werden. In den Aufbaujahren waren es insbesondere Rudolf Klocke, Franz Stecker, Johannes Neumann, Gerhard Eblenkamp, Karl-Heinz Strathmann und Herbert Beckmann, die das Vereinsleben geprägt und die die Grundlagen für eine erfolgreiche Entwicklung des SVK gelegt haben. Für die bis heute andauernde Kontinuität im Vereinsvorstand und in den einzelnen Abteilungen des Vereins stehen Namen wie Robert Klocke, Friedel Raders, Heinrich und Margret Rheker, Rudolf Rheker, Werner Rheker, Heinz-Dieter Reinhard, Gertrudis Werpup, Franz-Josef Wieneke, Reinhard Wieneke, Josef Wittrock, der Ehrenvorsitzende Hans Struck, ferner Karl Brakweh, Joseph Büker, Konrad Krüger, Jochen Mönks, Alfons Reinhard und der aktuelle Vorsitzende Bernward Brisgies.
 
Für alle hier erwähnten Vereinsmitglieder gilt gleichermaßen, dass für sie die ehrenamtliche Tätigkeit für den SVK nicht nur ein Hobby, sondern häufig sogar ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens ist bzw. war. Dies galt besonders für den 1997 verstorbenen Johannes Neumann, den alle liebevoll nur „Johann“ nannten. Er war über 40 Jahre lang Platzwart. Wenn von ihm die Rede war, so sprachen zuletzt die Kinder im Dorf voller Bewunderung von dem Mann, „der auf dem Sportplatz wohnt“. 
 
Besonders herausstellen muss man auch das Wirken von Herbert Beckmann. „Herbert“, der langjährige und überaus erfolgreiche Jugendobmann, war gewissermaßen der „erste Europäer“ im Verein. Er erkannte schon früh die völkerverbindende Kraft des Fußballsports und organisierte zahlreiche Fahrten ins benachbarte Ausland. Viele Kollerbecker werden sich auch heute noch gern und voller Dankbarkeit an die Begegnungen mit Fußballern aus Österreich und Holland erinnern. Oder an die Brasilianer aus Sao Paulo, die auf Einladung von „Herbert“ hier im Rehbergstadion zu Gast waren.
 
 
Wichtige Stationen der Vereinsgeschichte 
 
Prägend für die Entwicklung des Vereins war im Bereich des Senioren-Fußballs vor allem die erfolgreiche Tätigkeit der Trainer Paul Mühlenhoff, Uli Ischen, Jörg Hundertmark und Norbert Dölitzsch. Die vier haben dazu beigetragen, dass der SVK seit vielen Jahren zu den Top-Teams der A-Liga gezählt werden muss. Mit Paul Mühlenhoff wird man auf immer den Gewinn des Kreispokals (1983), mit Jörg Hundertmark die Meisterschaft der Kreisliga A und den damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksliga (2007) verbinden. Dies sind bis heute die größten Erfolge der Vereinsgeschichte. 
 
Von vergleichbarer Bedeutung waren für den Verein die jeweils von Karl-Heinz Strathmann ausgehende Bildung der Leichtathletikabteilung (1964), der „Einstieg“ in den Sportabzeichen-Wettbewerb (1967) sowie die Begründung des Pfingstlaufes (1973). Letzterer hat sich in den vergangenen Jahren unter der Regie von Heinrich Rheker zu einem der Top-Events der regionalen Laufszene entwickelt. Zu den wiederkehrenden Höhepunkten in der jüngeren Geschichte des SV Kollerbeck zählen aber auch das 1000-Dollar-Turnier der Tennisabteilung (erstmals 1995 ausgetragen) sowie das Mountainbike-Rennen der Radsportabteilung (seit 1997). Mit Veranstaltungen wie diesen erreicht der Verein regelmäßig ein Einzugsgebiet, das weit über den Kreis Höxter, häufig sogar über den Bezirk Ostwestfalen-Lippe hinaus reicht. 
 
Wenn von wichtigen Akzenten die Rede ist, die in der Vergangenheit gesetzt wurden, so muss in diesem Zusammenhang auch auf das „Höpper-Turnier“ hingewiesen werden. Seit Anfang der 1980er Jahre spielen Hobby-Mannschaften aus ganz Deutschland im Rehbergstadion um den begehrten Wanderpokal. Ein beträchtlicher Teil der Einnahmen wird regelmäßig für wohltätige Zwecke gespendet. Die bereits 33. Auflage des Turniers ist in diesem Jahr Bestandteil der Jubiläumsfeierlichkeiten.
 
Was zeichnet den Verein sonst noch aus?
 
Dass der SV Kollerbeck seit nunmehr sechs Jahrzehnten das Leben in Kollerbeck prägt, daran haben besonders auch die Frauen im Verein ihren ganz speziellen Anteil. Im Gegensatz zu den Anfangsjahren des SVK, als die Frauen ihren Männern lediglich eine Stütze sein konnten, wenn diese nach langen Pokalschlachten ziemlich ermattet den Heimweg antraten, sind die Frauen von heute eine wichtige Stütze des gesamten Vereins. Sie stellen 40 Prozent der Mitglieder, sind im Vorstand des Vereins und der Jugendabteilung vertreten, betätigen sich aktiv in allen Abteilungen und können sich besonders in der Leichtathletik und im Fußball mit häufig überragenden Ergebnissen in Szene setzen. Ohne die Mitwirkung der Frauen ist auch die Organisation aller größeren Veranstaltungen des Vereins nicht mehr denkbar. Kurzum: Was für unsere Gesellschaft gilt, gilt auch für den Verein: Ohne Frauen ist alles nichts.
 
Allerdings müssen auch in Zukunft genügend Vereinsmitglieder bereit sein, sich für den SV Kollerbeck ehrenamtlich zu engagieren. Nur so kann der Verein seine erfolgreiche Geschichte fortsetzen.