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01.09.2003

„Standing-Ovation“ im Rehbergstadion

SVK startet mit Sieg gegen Meisterschaftsfavorit SG Albaxen/Lüchtringen I in die Saison

(luw) Im Spiel 1 für den neuen Coach Jörg Hundertmark konnte die I. Mannschaft des SVK gleich einen Überraschungscoup landen. Mit einem 4:3-Sieg über eine Mannschaft, die bereits vor der Saison als sicherer Aufsteiger gehandelt wurde, gelang vor 14 Tagen ein Einstand nach Maß. Den etwa 140 (ausgeschrieben: hundertvierzig!) Zuschauern, die den Weg in das Rehbergstadion gefunden hatten, wurde ein Spiel geboten, wie man es sich spannender kaum vorstellen kann. Doch nun von Beginn an…

Nach einer gut verlaufenen Vorbereitungsphase mit für Kollerbecker Verhältnisse sogar sehr guter Trainingsbeteiligung war nicht nur dem Spielertrainer Jörg Hundertmark die Anspannung vor dem Spiel anzumerken. Die Tatsache alleine, dass man nach einigen personellen Veränderungen zur Vorsaison erst einmal selber sehen muss, wo man steht, rechtfertigte schon diese Anspannung. Zum anderen war es aber auch der Name SG Albaxen/Lüchtringen I, der so manchem Fan, Spieler und Verantwortlichem „den Schweiß auf die Stirn treten ließ“. War es doch der A-Liga-Absteiger Albaxen, der durch Fusion mit Lüchtringen verstärkt in der Vorbereitung mittels Kantersiege über A- und sogar Bezirksligisten auf sich aufmerksam machte. Und so war in der heimischen Presse auch nur noch die Höhe des Albaxer Sieges Thema. Absolutes „Highlight“ in diesem Zusammenhang war der 0:5-Tip des Altenbergener Trainers „Aule“ Nowinski in der Neuen Westfälischen. „So kann ein Spiel wohl ausgehen. Aber so was kann man doch nicht tippen!“ meinte nicht nur der Kollerbecker Spielmacher Jens Rheker. Trainer Jörg Hundertmark hingegen konnte sich für solche Sprüche nur bedanken. Erstens konnte seine Ansprache vor der Partie relativ kurz ausfallen („Jetzt gehen wir raus und kämpfen!“) und zweitens konnte er darauf hoffen, dass man auch in Albaxen und Lüchtringen Zeitung liest und dass sich vielleicht so etwas wie Überheblichkeit in das Spiel der Spielgemeinschaft einschleicht.
Ob es nun Überheblichkeit war oder nicht, kann dahingestellt bleiben. Fakt ist, dass man einen „vermeintlichen“ Klassenunterschied nicht ausmachen konnte. Zwar war das Spiel auf beiden Seiten am Anfang ein wenig zerfahren. Doch ergaben sich schon jetzt Chancen nicht nur für den Gast von der Weser. Waren es auf Albaxer Seite eher die Standards, die für echte Gefahr für das Kollerbecker Tor sorgten, so waren es auf der Gegenseite immer mal wieder die schnell vorgetragenen Angriffe über den Spielmacher Jens Rheker und den Stürmer Carsten Rheker, der sich so manches mal auf den Flügeln durchsetzte und den Ball vor das Tor brachte.
Ein selbiges indes sollte aber erst in der 40. Minute fallen. Jens Rheker konnte einem Albaxer Verteidiger 25 Meter zentral vor dem Tor den Ball abnehmen. Ohne lange zu überlegen, legte er den Ball rechts auf seinen heranstürmenden Cousin Carsten ab, der es sich wiederum nicht nehmen ließ, aus 11 Metern Entfernung den Ball mit Vollspann in die Maschen zu dreschen. 1:0 und fast Halbzeitpause. Trotz einiger Chancen für den Gast konnte man den Vorsprung tatsächlich in die Pause retten.
Konnte vor dem Spiel die Ansprache des Trainers schon kurz ausfallen, so war auch jetzt nicht viel zu sagen. „Weiter so!“ lautete die Devise von Jörg Hundertmark.
Doch zunächst wollte das nicht wirklich gut gelingen. Bereits in der 50. Minute nämlich musste man das 1:1 und in der 55. das 1:2 nach einem Freistoß hinnehmen. Doch wer jetzt dachte, dass sich die Mannschaft des SVK mit diesem Ergebnis zufrieden geben würde (immerhin nur zwei Gegentore zu diesem Zeitpunkt) wurde bereits in der 65. Minute eines Besseren belehrt. Nach einer Ecke von Thorben Rheker war es wieder sein Bruder Carsten, der für den SVK einnetzen konnte. In „Miroslav Klose WM2002“-Manier (O-Ton Jens Rheker) stieg er unwiderstehlich zum Kopfball hoch und ließ zum 2. Mal dem Albaxer Schlussmann keine Chance.
In der Folgezeit entwickelte sich ein offener und temporeicher Schlagabtausch mit sehr guten Chancen hüben wie drüben. Immer wieder war es die „Rheker-Connection“, die die Albaxer Abwehr so manches Mal ins Wanken brachte. Aber auch auf der anderen Seite ergaben sich mehrere Großchancen zumeist per Kopf. Zu nennen sei an dieser Stelle André Struck, der als Libero oft als Feuerwehr fungierte und in der 75. Minute den Ball soeben noch von der Linie kratzen konnte.
Bereits eine Minute später konnte aber auch er es nicht mehr verhindern, dass ein Albaxer Sonntagsschuss aus 20 Metern unhaltbar für Keeper Sascha Niemeier in den Winkel des Kollerbecker Gehäuses einschlug. 2:3 und nur noch eine Viertelstunde zu spielen.
Dass auch jetzt das Spiel noch einmal drehen würde, hofften zwar die Kollerbecker und befürchteten zwar die Albaxer und Lüchtringer Fans. Wirklich mit rechnen konnten aber wohl nur die wahren Fußball-Kenner.
Dass das Spiel dann tatsächlich noch drehte, war noch einmal Carsten Rheker zu verdanken, der zwar nicht selber einschoss, aber maßgeblich am Treffer beteiligt war. Ein weiteres Mal war er nämlich in der 80. Spielminute seinem Gegenspieler enteilt, der sich im 16er nur noch mit einem Foul behelfen konnte. Wer einen etwaigen Strafstoß schießen sollte, war zwar vor dem Spiel vereinbart worden. André Struck war es aber nicht. Machte aber auch nichts. Auf die Frage „André, machst Du es?“ kam als Antwort nämlich nur ein „Klar!“ und ein trockener Schuss flach links ins Tor. Der folgende Jubel unter den Kollerbecker Spielern und Fans war schon gewaltig. Wesentlich lauter wurde es aber noch einmal 8 Minuten später. Ein Freistoß von Stefan Bielefeld hatte nämlich Jens Rheker aus sehr spitzem Winkel in das Albaxer Gehäuse einnicken können. Eine Menschentraube in dieser Größenordnung um und auf dem Torschützen hat man lange nicht in Kollerbeck gesehen.
Nur langsam versammelten sich die Spieler wieder in der Kollerbecker Hälfte, um den Wiederanpfiff und dann den möglichst schnellen Schlusspfiff zu erwarten. Diese Rechnung hatte man aber ohne Schiedsrichter Willi Meier gemacht. In einer ihm eigenen Art gab er zu verstehen, dass er doch noch einige Minuten das lustige Treiben auf dem Platz gewähren lassen wolle. Aber auch diese Zeit überstanden die Kollerbecker Kicker schadlos, sodass sich nach dem Schlusspfiff die Spieler überglücklich in den Armen lagen.
Zu guter letzt wurde dann den Spielern noch etwas geboten, was manch einer bisher nur aus dem Fernseher kannte: „Standing-Ovations“ im Rehbergstadion.